Im Wortlaut:
ZDF-Betriebsversammlung
“Beim ZDF gab es heute um 14 Uhr eine außerordentliche Betriebsversammlung (online) zur KI-Causa. 1.150 Mitarbeiter nahmen an diesem bisher einmaligen Ereignis teil. Das sind die wichtigsten Aussagen: Arbeitsrechtliche Verfahren gegen alle Beteiligten wurden eingeleitet. Moderatotin Dunja Hayali wurde nicht genannt, meldete sich auch nicht zu Wort. Chefredakteurin Bettina Schausten sagt „gewisse Plattformen“ würden „infam und böswillig“ über den Fake berichten und da Informationen durchgestochen würden, droht sie: „Wenn das so weitergeht, dann können wir solche Veranstaltungen wie die hier nicht mehr machen.“ Elmar Theveßen, Studioleiter Washington, ergänzt später, er finde schade, wenn man sich das „Geraune von Nius“ zu eigen macht. Später behauptet Schausten in der heute-Redaktion sei man unterbesetzt. Es seien bedauerliche Fehler auf allen Ebenen passiert, man müsse noch besser aufpassen: "Das darf sich nicht noch einmal wiederholen", so Schausten. Die Verantwortung liege aber allein bei der abberufenen Studioleiterin New York, Nicola Albrecht. Aber man werde "sie nicht fallen lassen". Nachdem mehrere Frauen und der Leiter des Studios Brüssel für Albrecht Partei ergreifen, muss Schausten deutlich werden: es waren "schwere Fehler", sie war "nicht offen und nicht einsichtig", sie sei "kein Bauernopfer“, "auch für mich ist es eine Enttäuschung, denn ich habe sie vorgeschlagen“. Zur historische Entschuldigung, live auf dem Sender, sagt Schausten: „Das hat es so noch nie gegeben." Einen internen Kritiker der Berichte über Trump generell maßregelte Theveßen: Es würden deutlich mehr Kinder abgeschoben. Die Leiterin der Rechtsredaktion und Moderatorin von Wiso berichtet, sie werde auf Terminen mit: "Ach, sie kommen vom KI-Fernsehen" begrüßt, es herrsche ein "Klima der Angst" in der Redaktion. Ein Chef vom Dienst aus Mainz meint auch: Man sei nun verunsichert. Der Leiter des Studios Brüssel sagt, er vermisse "Worte der Anerkennung vom Intendanten." Die Leiterin der Redaktion ZDF Reportage befindet: "Wir haben einen Relotius-Moment."
Quelle: https://x.com/aleksteske/status/2026014789428981831
Der ZDF-Skandal
Es ist (und war) beim Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen nicht unüblich, dass - vor Beginn der Recherche - eine These im Raum steht. Die Redaktion wünscht sich einem Film, der ihrer Sichtweise entspricht. Alles mehrfach bei TV-Magazinen erlebt. Wenn die Wirklichkeit dann anders ist, beginnt das ‘Problem’. Entweder es wird kein Film fertig gestellt. Oder die Recherche wird ‘passend’ gemacht. Irgendein Interviewpartner findet sich schon. Irgendwelche Filmschnipsel lassen sich sicher auftreiben.
Wie dies nun genau am 15. Februar 2026 bei dem Magazinbeitrag zur Rolle der US-Festnahme- und Abschiebebehörde ICE im ‘Heute Journal’ gewesen ist, wird die Zeit zeigen. Wer den Film in Auftrag gegeben, wer die zusätzlichen Filmsequenzen hineingeschnitten, welches Redaktionsmitglied den Beitrag inhaltlich ’abgenommen’ hat. Wie die Rolle der Moderatorin war. Denn - so bestätigen gewöhnlich gut informierte Kreise - die Person Dunja Hajali ist mittlerweile sendeintern sehr umstritten. Wesentlich dazu beigetragen hat ihre Anmoderation zu einem Beitrag über den ermordeten US-Aktivisten Charlie Kirk
im ‘Heute Journal’ am 11. September 2025.
Im Wortlaut:
”ZDF informiert über Aufarbeitung von Fehlern im "heute journal" vom 15. Februar 2026
Auslandskorrespondentin wird abberufen
EDas ZDF hatte angekündigt, die Fehler im "heute journal" vom Sonntagabend konsequent aufzuarbeiten. Die Überprüfung kommt zu dem Schluss, dass die Verstöße gegen ZDF-Richtlinien und journalistische Standards so schwer wiegen, dass die New York-Auslandskorrespondentin Nicola Albrecht mit sofortiger Wirkung abberufen wird.
Die Korrespondentin hatte für die Redaktionen "Mittagsmagazin" und "heute journal" über die Angst von Kindern unter anderem in New York vor den Festnahmen der amerikanischen ICE-Behörde berichtet. Der Beitrag für das "Mittagsmagazin" wurde am Freitag, 13. Februar 2026, gesendet und war nicht zu beanstanden. Dieser Bericht wurde von der Korrespondentin für das "heute journal" vom 15. Februar 2026 angepasst. In der neuen Fassung verwendete sie zwei Videoszenen aus dem Netz. Davon stammte eine Szene aus einem völlig anderen Kontext (Festnahme in Florida 2022), die andere Szene war KI-generiert.
Das KI-generierte Material hätte ohne journalistische Begründung und ohne Einordnung gemäß der internen Regeln des ZDF zur Verwendung von KI-generiertem Material nicht verwendet werden dürfen. Eine nach journalistischen Standards erforderliche Überprüfung der anderen Videoszene und ihres Ursprungs ist nicht erfolgt. Der Schlussredaktion des "heute journals" hätte bei der Abnahme des Beitrags die KI-generierte Bildsequenz auffallen müssen.
ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten: "Der Schaden, der durch die Missachtung journalistischer Regeln entstanden ist, ist groß. Es geht im Kern um die Glaubwürdigkeit unserer Berichterstattung. Wir erarbeiten zurzeit einen Maßnahmenkatalog, um mit aller Konsequenz sicherzustellen, dass die hohen journalistischen Standards, denen wir verpflichtet sind, jederzeit und uneingeschränkt eingehalten werden."
Quelle: https://presseportal.zdf.de/pressemitteilung/zdf-informiert-ueber-aufarbeitung-von-fehlern-im-heute-journal-vom-15-februar-2026
OAZ: Neue Zeitschrift für und aus dem Osten
Dreizig Jahre ist es her - da wurde in der Bundesrepublik die letzte überregionale Wochenzeitschrift gegründet. Der FOCUS hat sich seither gehalten. Nun gibt es einen neuen Versuch. Die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ).
Immer Freitags online. Samstag dann am Kiosk.
In der Erstausgabe u.a. ein lesenswertes Porträt des AfD-Parteichef Timo Chrupalla.
Ohne Schaum vor dem Mund geschrieben. Sehr wohltuend.
Spannend zu sehen, ob sich das Projekt hält.
Ob es einen Markt für diese Art von Berichterstattung gibt.
Ohne Vorurteile. Ohne die ideologische ‘Brandmauer’ im Kopf.
27.11.2025 Kommentar
Klare Kante:
Wenn rechts-konservative Medien investigativen Journalismus ‘kapern’
„Was sie euphorisiert, ist aber etwas anderes: dass es ihnen zum ersten Mal gelungen ist, durch Investigativjournalismus einen Missstand aufgedeckt und die Traditionsmedien gezwungen zu haben, den Fall aufzunehmen und sie damit ernst zu nehmen. Die alternativen Medien haben ihre Sonderblase verlassen und zeigen Wirkung in der Berliner Republik."
Quelle: DIE ZEIT, Wolfram Weimer - Mann über Bord? 25.11.2025
Journalisten, die kritisch berichten. Der Regierung auf die Finger schauen, die Macht kontrollieren. Während noch vor einigen Jahren solche Stories vom SPIEGEL kamen, sich Öffentlich-Rechtliche Polit-Magazine hier profilierten, hat sich dies mittlerweile weitesgehend erledigt.
Sie klappern - wenn überhaupt - dann Tage später nach. Wenn es nicht mehr anders geht, der Druck zu groß geworden ist. So auch im 'Fall Weimer'. Angestossen vom kleinen Internet-Magazin 'Apollo News', brauchte es ein paar Tage ehe die ARD-Tagesschau und das ZDF-Heute dieses Thema entdeckten. Es ist nicht der erste Scoop sogenannter 'Alternativmedien', die sich selbst im eher rechts-konservativen Umfeld verorten.
Da waren die Enthüllungen zu den Auszählungspannen bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl im September 2021, die unter dem Dach von 'Tichys Einblick' liefen. Die Berichterstattung im 'Cicero' zu den Absonderlichkeiten beim Atomausstieg im damaligen Habeck-Ministerium. Woraus immerhin ein Untersuchungsausschuss auf Bundesebene resultierte. Jetzt 'Apollo News' mit der Story zum Kulturstaatsminister. Einem Intimus des Bundeskanzlers.
So muss investigativer Journalismus sein: immer schön in die wunden Stellen drücken. Am Ende hat man dann - wenn es gut läuft - einen 'Scalp' in der Hand. War bei Kurt Biedenkopf, Karl-Theodor zu Guttenberg oder Christian Wulff auch nicht anders. (Fred Kowasch)
ZAPP: Gefährliche Nähe- Journalisten und der BND
Die Geschichte(n) sind schon ein paar Jahre alt. Dennoch. Wer sich in den 90ern wunderte, warum das Nachrichtenmagazin FOCUS immer solchen geilen BND-Stories hatte, wusste spätestens ab 2005 Bescheid. Da flog die Geschichte einer umfassenden Zusammenarbeit zwischen dem Auslandsgeheimdienst der Bundesrepublik Deutschland und 'investigativ' arbeitenden Journalisten auf. Noch viel mehr Licht ins Dunkle brachte dann eine gewisse 'Schäfer-Kommission' (Bericht findet sich hier). Und ein Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages, der die Arbeitspraktiken des Bundesnachrichtendienstes (BND) eingehend unter die Lupe nahm.
(30 min, 2025, NDR)
Akribisch, detailliert, schonungslos. 'inside Tagesschau' von Alexander Teske ist wirklich gut. Bereits nach 70 Seiten willst Du nie mehr eine Ausgabe dieser Sendung sehen ....
Das Sachbuch liest sich flott. Gut strukturiert in einzelne Kapitel - von drei bis zehn Seiten - kann man es gut überall mit hinnehmen. In die Bahn, zum Arzt, ins Flugzeug. Hintergründige Recherche - im wahrsten Sinn des Wortes AUFKLÄREND.
Alexander Teske hat ein paar Jahre beim mdr-Fernsehen in Leipzig gearbeitet. Am 1. Januar 2018 kommt er für sechs Jahre als Programmplaner zum NDR nach Hamburg. Dort wird die Tagesschau produziert. Das journalistische Flagschiff der ARD. Millionen schalten jeden Abend um 20 Uhr zur Sendung ein. Wie die Sendung gemacht wird, nach welchen Kriterien Themen ausgewählt (oder weggelassen) werden, dies beschreibt Teske sehr konkret an Dutzenden von Fallbeispielen.
2018 bis 2023 sind sehr newsstarke Jahre. Innenpolitisch passiert in dieser Zeit sehr viel in der Bundesrepublik. Corona (und die Einschränkung von Grundrechten), der Ukraine-Krieg, die AfD zum ersten Mal im Bundestag. Im September 2018 berichtet die Tagesschau über sogenannte Hetzjagden in Chemnitz. Mit Schaum vor dem Mund und mit äußerst dürftigen Quellen. Teske skizziert anschaulich, wie es in der Redaktion bei diesem Thema zur Sache geht. Mit welchen Vorurteilen Themen aus Ostdeutschland behandelt werden.
Er beschreibt, warum die Ungenauigkeiten in Annalena Bearbocks Biografie erst nach Tagen ein Thema in der Sendung sind. Weshalb über journalistische Scoops (RKI-Protokolle, Laufzeitverlängerung von AKW's) zunächst nicht berichtet wird. Ein Kapitel widmet sich detailliert 'Journalisten', die die Seiten wechseln. Vom Journalismus an die Macht. Und zurück.
Es geht aber auch um Auslandsberichterstattung. ARD-Korrespondenten, die von weit her, (völlig kenntnisfrei) Einschätzungen abgeben. Um den Rummel um die britischen Royals. Immer und immer wieder. Die 'Sport'bericherstattung, die sich eigentlich nur um die deutsche Nationalmannschaft und die 1. Bundesliga dreht. Sportpolitik weitgehend unterlässt.
Das Buch stürmt gerade die Bestsellerlisten. 22 Euro - gut angelegt. Hier gibt es ein paar Auszüge.
Enthüllungsjournalismus at his Best.
Die Stille nach dem Fernsehpreis
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Erlebnisse im Sportjournalismus
Eine Hintergrundgeschichte von Fred Kowasch
(Sommer 2022)
Wenn man selbst Abstand gewonnen hat, ist es durchaus angebracht, etwas ins Plaudern zu kommen. Vor allem, wenn man das Objekt - über dass seit der 'Affäre Schlesinger' viele reden - aus dem Innersten kennt. Mehr als 25 Jahre habe ich für ARD und ZDF gearbeitet.
Zunächst fünf Jahre als freier Mitarbeiter, dann als Journalist, der eine Produktionsfirma betreibt. Dabei lernt man Einiges kennen. Stoff genug für ein Buch allemal. Über den RBB (früher SFB), den MDR, das ZDF und den WDR ....
Herbst 2007
ZDF-Morgenmagazin, zdf.reporter, ‚Sport inside‘ vom WDR. Es hatte für mich immer einen besonderen Reiz, etwas Neues zu machen. Bei einem neuen TV-Format von Anfang an dabei zu sein. Diese Aufbruchsstimmung, diese Lust am Experiment, dieser gemeinsame Wille eine Sendung auch bekannt zu machen. Erleben, wie die eigene Arbeit wirkt.
So auch bei ‚Sport inside‘. Engagierte Redakteure, die Lust auf ein Experiment hatten. Denen Widerstand - auch innerhalb der WDR-Sportredaktion (zu der auch die Sportschau zählt) - egal war. Eine Sendung, die eigene Themen setzte, sich dem investigativen Sportjournalismus widmete. So etwas gab es bis dato nicht in der deutschen TV-Landschaft. Die Zeit schien - nach all den Doping-Skandalen um das ‚Team Telekom’ - einfach reif dafür.
Was hinzu kam: während Redaktionen wie Frontal 21 für Auftrags-Produzenten immer unattraktiver wurden (ja, investigativer Journalismus kostet viel Geld), konnte man als Produzent beim WDR aus dem Vollen schöpfen. Der Etat der Sportschau, aus dem ‚Sport inside’ im Wesentlichen finanziert wurde, schien gut gefüllt. Die Sendung - das ‚Baby‘ von WDR-Sportchef Steffen Simon. Ein cleveres Baby, das Schlagzeilen machte, für Fernsehpreise nominiert wurde, der Sporteventberichterstattung kritische Inhalte entgegensetzte. Faktisch damit die hohen Sportrechtekosten argumentativ legitimierte.
In einer der ersten Sendungen - ein medialer Paukenschlag. Deutscher Tennisprofi behauptet: Spiele abgesprochen und Wetten manipuliert. Obwohl die TV-Quote an diesem Montagabend im WDR-Programm sehr überschaubar war - das Medienecho danach ist es nicht. Eine halbe Seite in der BILD-Zeitung, der britische Guardian berichtet, selbst die US-amerikanische Tennis-Legende John McEnroe kommentiert unsere Story.
Ein paar Wochen später legen wir mit neuen Details nach. Diesmal finden sich die größten Gegner im eigenen Haus. Ein Hausjurist, dem es offensichtlich um das Wohl eines von uns namentlich benannten deutschen Tennisprofis geht. Ein Sportschau-Moderator, der (völlig unüblich) persönlich zur Filmabnahme im Schneideraum erscheint und unsere Recherchen kritisiert. Wenigstens waren ab da die Fronten klar.
Immer deutlicher zeigt sich für mich damals auch: investigativer Journalismus ist faktisch falsch in der Sportschau-Redaktion. In einer Redaktion, wo an den Bürowänden verantwortlicher Redakteure Fußballtrikots hängen, die die Vorliebe für die jeweiligen Vereinsfarben klar dokumentieren. Wo ein Film über ‚Doping im Triathlon‘ im Oktober 2011 in der Sportschau nicht erscheint, weil sich der Verantwortliche (er sagt dies wörtlich vor Zeugen) nicht mit der Sport-Redaktion eines anderen ARD-Senders anlegen will. Weil diese gerade den Ironman auf Hawaii übertragen. Und, und, und.
Zumindest in der Öffentlichkeit stimmt das Bild. 2009 und 2011 Nominierungen für den ‚Deutschen Fernsehpreis’. 2013 geht diese symbolträchtige Auszeichnung schließlich an die Redaktion. Davor: immer wieder Schlagzeilen. Immer wieder auch durch unsere Recherchen über den Doping-Betrug rund um das Team Telekom. Der rennommierte Sportjournalist Ralf Meutgens (mit dem ich über Jahre zusammen arbeite) und ich begleiten in dieser Zeit eng die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen dazu in Freiburg. Graben das ein oder andere wirklich pikante Detail aus. Da wir fast die einzigen sind, die ‚Akten fressen‘, Monate später immer noch nachhaken, sind wir auch bei diesem Thema bundesweit vorne mit dabei.
Ebenso beim Fußballwettskandal, der an einem Donnerstag im November 2009 plötzlich aufploppt und die News-Schlagzeilen beherrscht. Tagesschau, Morgen- und Mittagsmagazin, Sportschau …. ‚Macht, was ihr wollt. Hauptsache wir haben was dazu’. Und so haben wir dann auch gleich einmal nicht nur aus einem Haftbefehl zitiert, sondern ihn auch Bildschirmfüllend ins TV gesetzt. Normalerweise geht so etwas nicht, greift § 353d StGB. Dürfte mittlerweile allerdings verjährt sein.
Aus einer journalistischen Intention, dem sprichwörtlichen Bauchgefühl heraus, hatten mein Kollege Benjamin Best und ich, zu diesem Thema monatelang vorher schon recherchiert. Waren beim Café King in Berlin-Charlottenburg zu Besuch, hatten auf eigene (finanzielle) Kappe mit einem Mafiaboss in New York gedreht. Dem ZDF waren wir (und mit uns die ARD) inhaltlich deshalb meilenweit voraus.
Wie auch beim Thema der Fußballfanszenen, wo sich die Ultras zunehmend radikalisierten. Auf geradezu wundersame Weise mit uns als Redaktion erstmals vor der Kamera sprachen. ‚Sport inside’ hatte in der Szene einen wirklich guten Ruf. Später dann war die Renaissance der Hooligans ein Thema. Auch, wie Teile von ihnen sich mit den ‚Hooligans gegen Salafisten’ (HogeSa) politisch engagierten. Auch das hatte ‚Sport inside‘ prominent im Programm.
Im Herbst 2015 dann die Zäsur. Wurde davor im Programm über Defizite im Schulsport, Baumängel in Turnhallen, unzureichend ausgestattete Vereine berichtet, so war dies plötzlich kein Inhalt von Relevanz mehr. Während der Deutschlandfunk und zahlreiche andere Medien - im Zusammenhang mit der Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten - kontinuierlich über Probleme der Unterbringung (und ihre Auswirkungen auf den Schul- und Vereinssport) berichteten, hieß es aus der ‚Sport inside‘-Redaktion nur: „Wir sehen das als Thema nicht“.
Hatte die Redaktion plötzlich ihre Unabhängigkeit, ihren journalistischen Biss verloren?!
Die Wirklichkeit abzubilden, verschiedene Meinungen und Einschätzungen zu Wort kommen zu lassen, keine falsche Rücksicht zu nehmen - so verstehe ich mein Handwerk.
Ähnlich in der Folge bei anderen Inhalten. Wurde jahrelang der Umgang mit DDR-Dopern in der Sendung thematisiert, so auch hier: Plötzlich Stille. Als begründete Zweifel aufkamen, ob jeder Sportbetrüger in der Vergangenheit wirklich so ein unwissendes ‚Opfer‘ gewesen ist. Die ausgewiesenen Anti-Dopingexperten der Republik darüber in Streit gerieten. Pro und Contra in Reinkultur - ein journalistisches Aufregerthema par Excellence. Ein MUST für 'Sport inside'. Eigentlich. Und, und, und.
Wie dem auch sei: nach zehn Jahren war es wieder einmal soweit, weiter zu ziehen. Etwas Neues zu probieren. Die Filme nicht nur zu produzieren, sondern auch selbst zu vertreiben. Keine ARD mehr, kein WDR. Kein ZDF. YouTube, Amazon Prime, VIMEO und das Kino machen es möglich. Bisher habe ich diesen Schritt nicht bereut.
Update:
Seit Anfang September 2023 existiert 'Sport inside' als eigenständige TV-Sendung im WDR-Fernsehprogramm nicht mehr.
Walls - a photographer between the lines
Israel und die besetzten Gebiete, Belfast, Baghdad, Ceuta, Zypern, die Grenze zwischen den USA und Mexico. Kai Wiedenhöfer hat eine Mission. Er will die Mauern der Welt fotografieren, zeigen was ein Betonwall aus Menschen macht. Mit seiner Panoramakamera geht er dorthin, wo Gummigeschosse, Tränengas und Strassenschlachten zum Alltag gehören. Er trifft auf Migranten, Drogendealer und engagierte Menschenrechtler. Immer wieder aber auch auf bewaffnete Soldaten und aggressive Grenzpolizei. Gegen viele Widerstände versucht er sich seinen Traum zu erfüllen. Kai Wiedenhöfer möchte seine Panoramafotos auf die weltbekannte 'East Side Gallery' in Berlin zu bringen. Jahrelang kämpft er dafür. Im Sommer 2013 kommt es in seiner Wahlheimat zum Showdown. Die Dokumentation „Walls – a Photographer between the Lines“ hat Kai Wiedenhöfer - der einst Zeuge des Berliner Mauerfalls wurde - über neun Jahre lang begleitet.
(Dokumentarfilm, 88 min, 2013, interpool.tv)