TV-TIPP: Die “Hammerbande”.
Mit Hammer und Schlagstock auf Rechtsextreme

Ein Film, der es auf den Punkt bringt.

(13 min, 2026, SPIEGEL.TV)

BLACK BLOCK:
Der Kampf um Lützerath

Anfang Januar 2023. Der kleine Weiler Lützerath - am Rande der Kante zum Tagebau Garzweiler II - ist von Umweltschützern besetzt. Zwischen 100 und 150 Menschen leben hier. Haben Baumhäuser gebaut, Jahrhunderte alte Gehöfte besetzt, Dutzende Zelte aufgeschlagen. Kochen und reden zusammen - einmal am Tag gibt es ein öffentliches Plenum.

Dieses autonome Gebiet stört Politik und Sicherheitsbehörden. Sie wollen Lützerath räumen. Zunächst untersagen sie den Zugang zum Ort. Trotzdem kommen am 8. Januar 2023 Tausende - vor allem aus der bürgerlichen Spektrum - zur sonntäglichen Kundgebung an den Weiler an der Abbruchkante. Drei Tage später sind mehr als 3.000 Cops bei der Räumung im Einsatz. Unsere Kameras mittendrin. Am 14. Januar schließlich soll Lützerath wiederbesetzt werden. Anarchistische Gruppen sind vor Ort, autonome Gruppen (u.a. aus Frankreich) haben militante Aktionen angekündigt. Ein 'Schwarzer Block' stürmt in Richtung Absperrzaun ....

"JETZT GEHÖRST DU ZUR FAMILIE!" - AUFNAHMERITUALE BEI SEK, MEK UND BFE

So langsam sickern sie durch - Details zu den Aufnahmeritualen in der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) Dresden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Wieder einmal in Sachsen. Aber auch andere Polizeispezialkommandos gerieten in den letzten Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit. Ekelerregende Praktiken bei der Aufnahme neuer Mitglieder in - sogenannten - geschlossenen Einheiten gab (und gibt es wohl) immer wieder. Wie bei der Bundeswehr, bei Studentenverbindungen, beim Sport. Eine Recherche aus dem Graubereich des Lebens.

Eine 'Kleine Anfrage' der sächsischen Landtagsabgeordneten Juliane Nagel (Die Linke) machte sie öffentlich: Praktiken, die bei der Dresdener BFE-Einheit herrschten. Da ist die Rede von einem Aufnahmeritual, welches - unter anderem - darin bestand, dass ein aufgesetzer Motorradhelm mit Desinfektionsmittel besprüht und anschließend angezündet worden sein soll. "Jetzt gehörst Du zur Familie!" Weitere Details dazu gibt es im unten stehenden Artikel, bzw. im Originaldokument aus dem Sächsischen Staatsministerium des Inneren. 

Bereits vor drei Jahren machte ein Vorgang beim Leipziger Mobilen Einsatzkommando (MEK) Schlagzeilen. Auch hier ging es um ein sogenanntes 'Aufnahmeritual'. Von zwei Neumitgliedern. "Dabei soll einer der beiden mit mehreren Schüssen aus einer polizeilichen Übungswaffe für Simunition getroffen und verletzt worden sein." Heißt es in einer Presseerklärung der Generalstaatsanwaltschaft Dresden. Insgesamt wurde hier gegen 25 Personen ermittelt.

"Polizeivollzugsbeamte in Spezialeinheiten, wie zum Beispiel MEK, SEK sowie GSG9 sehen sich in ihrem Tätigkeitsbereich als Elite im Vergleichsfeld der Polizeivollzugsbeamten insgesamt."

So steht es in einem Aufsatz der Kriminalpolizeilichen Zeitschrift (KriPoZ) zum Fall in Leipzig. Beim Kölner Sondereinsatzkommando (SEK) - zum Beispiel - wurde 2018 ein besonders ekelerregendes Aufnahmeritual bekannt:

"Die Zeugen sollten jeweils auf dem Boden vor einem sitzenden Kommandomitglied kniend ein aus einer Tsatsiki-Knoblauch-Chili-Mischung hergestelltes Eis essen, welches ekelerregend schmeckte und das sich zwischen den Oberschenkeln eines der Kommandomitglieder befand (wobei nicht geklärt werden konnte, ob das Eis im Bereich der Knie gehalten (so der zweite Zeuge) oder des Schritts geklemmt (so der Betroffene) war. Der zweite Zeuge übergab sich bei dem Versuch, Eis zu essen."

Quelle: Landtag NRW - Vorlage 16/3154 vom 25. August 2015

Bericht des Ministreiums für Inneres und Kommunales zum tagesordnungspunkt 1 "Vorkommnisse beim Kölner SEK" der Sitzung des Innenausschusses am 27.08.2015

 Die drei involvierten Beamten erhielten Geldbußen

Web-Video:
Wehrhaftes Deutschland:
Lieber besetzt als tot?


“Die Debatte um eine Wehrpflicht wird immer breiter in der Politik und in der Gesellschaft diskutiert. Der Autor Ole Nymoen sieht in der Wehrpflicht eine Vorbereitung, die Gesellschaft im Ernstfall kriegstüchtig zu machen. Er selbst wäre nicht bereit, sein Leben im Notfall für Deutschland zu geben. Diese Position höre man nicht oft in der Debatte um eine Wehrpflicht, doch würden viele junge Leute diese Gedanken durch den Kopf gehen, so Ole Nymoen. Sind wir auf eine mögliche Bedrohung vorbereitet?“
(Text ZDF)

(30 min, 23. Juli 2025, Markus Lanz - ZDF)

Klartext: Warum ich heute wieder den Wehrdienst verweigern würde

von Fred Kowasch

Panzer, Waffen, Bomben produzieren. Die Jugend in der Schule trimmen. Den Wehrdienst ableisten. Mit der Waffe in der Hand.

Alles schon mal gehört. 40 Jahre her.

Wie verhältst Du Dich dem Land gegenüber, in dem Du lebst. Willst Du ihm 'dienen'? Notfalls auch mit der Waffe in der Hand? Oder den Wehrdienst, das Militär verweigern? Klare Kante zeigen.

Als 17- und 22jähriger stellten sich mir diese Fragen. In der DDR. Zunächst habe ich den Waffendienst verweigert. Später dann gegenüber dem Wehrkreiskommando der Nationalen Volksarmee (NVA) meine totale Verweigerung erklärt. Den vergilbten Brief von damals habe ich noch.

Es war keine einfache Zeit.

Der Vorsitzende der Musterungskommission erklärte mir deutlich:

"Dann müssen Sie die Konsequenzen tragen."

Ich: "Dass mache ich."

Und: "Wir können dies hier auch beenden. Weil, mit ihnen rede ich nicht mehr."

Im Raum stand eine zweijährige Haftstrafe.

Jeden Tag bin ich daraufhin zum Briefkasten geschlichen.

Eine Einberufung befand sich in den Wochen danach darin nicht.

Im Nachhinein erfuhr ich: es waren mittlerweile zu viele geworden, die 'Nein' gesagt hatten. Obwohl Freunde für ein paar Tage Ende April 1988 in Untersuchungshaft saßen - die DDR wollte die internationale Aufmerksamkeit um Hunderte von inhalftierten Wehrdiensttotalverweigerern auf Dauer nicht.

Heute bin ich 60. Und: ich würde wieder so handeln. Kein Staat, keine Nation, keine Regierenden sind es wert, dass man dafür mit dem eigenen Leben bezahlt.

Blaues Land -
Wie die AfD den Osten verändert

Sehenswerter Film. Der zeigt, wie fest die Alternative für Deutschland (AfD) bereits in den brandenburgischen Kommunen verankert ist. Wie sie mit der CDU zusammenarbeit, umstrittene Projekte verhindert. In Szene gesetzt von einem Autoren, der wohltuend zurückhaltend agiert.

(44 min, 2025, RBB)

Klare Kante: Compact-Verbot - Eine Klatsche für Nancy Faeser

28.06.2025
Ein Kommentar von Fred Kowasch

Die Meinungs- und Pressefreiheit gilt für jeden. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht (BVG) in Leipzig in seiner Entscheidung zur Aufhebung des COMPACT-Verbot klar gemacht. Eine notwendige und überfällige Entscheidung. Und eine - abermalige - deftige Klatsche für die einstige Verfassungsministerin Nancy Faeser (SPD). Die, so wird es immer deutlicher, während ihrer Amtszeit als Bundesinnenministerin allzu selbstherrlich agierte. Der das Grundgesetz letztlich egal war.

Klar wird auch: ein Medium durch ein Vereinsverbot an seiner publizistischen Wirkung zu hindern, mag für die Ausübung von Macht funktionieren. Diese 'Hilfskonstruktion' wurde schon einmal, 2017 beim Verbot der linksextremen Plattform linksunten.indymedia, angewandt. Weil sich hier allerdings keine namentlichen Kläger fanden, die das Verbot vor dem BVG angefechten wollten, hatte es Bestand. Bis heute. 

'COMPACT'-Herausgeber Ralf Elsässer ließ sich die Chance zur breiten Mediendarstellung allerdings nicht entgehen. Sein Magazin ist bekannter denn je. Schlägt er aus der Verbotsverfügung durch die Ex-Innenministerin nicht nur publizistisch Kapital. Mittlerweile im Shop des Verlages erhältlich: ein Bademantel - ähnlich den er bei der Hausdurchsuchung am 16. Juli 2024 trug - für 149,95 Euro. Vielleicht sollte man der Abgeordneten Faeser so ein Exemplar mal in die Provinz schicken.

"Je mehr sich Inkompetenz mit unerschütterlicher Überzeugung paart, desto gefährlicher wird es. Und insoweit hat Nancy Faeser wahrlich Historisches geleistet." Diesen Worten von Wolfgang Kubicki (FDP) - jüngst im Cicero niedergeschrieben - ist wirklich nichts hinzuzufügen.

So kommentieren andere:

Wie gefährlich ist die Neonazi-Jugend?

Guter und sehenswerter Film. Interessant ist vor allem auch der Fußball- bzw. Hooliganbezug dieser neuen Gruppen. Geht - so die ZDF-Recherchen - bis auf 'HogeSa' (Hooligans gegen Salafisten) zurück. Zu den Hooligans gegen Salafisten haben wir vor einigen Jahren einen Dokumentarfilm gemacht.

'Inside HogeSa' - Von der Strasse ins Parlament (92 min, 2018) gibt es nach wie vor auf VIMEO und bei Amazon Prime Video.

(29 min, 2025, ZDF, Die Spur)

Inside HogeSa -
Von der Straße ins Parlament

Köln, am letzten Oktobersonntag 2014. Tausende von muskelbepackten Männern, die unter dem Motto 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) durch die Kölner Innenstadt ziehen. Hooligans, Türsteher, Rocker, Rechtsradikale. Die Demonstration endet in Ausschreitungen am Hauptbahnhof. Tagelang bestimmen die Ereignisse von Köln, bestimmt das Bild vom umgekippten Polizeibus, die Schlagzeilen. Die Öffentlichkeit fragt sich seither: wie konnte dies passieren? Warum haben die Sicherheitsbehörden geschlafen?

In der Folgezeit dominieren - in Ost wie West - 'Pegida'-Demonstrationen das Straßenbild. Im Herbst 2017 schließlich zieht die AfD erstmals in den Deutschen Bundestag ein. Politikwissenschaftler und LKA-Ermittler sind sich einig: 'HogeSa' hat für diese Entwicklung den direkten Anstoß gegeben.

In 'Inside HogeSa - Von der Straße ins Parlament' begleiten wir die Protagonisten der Szene vier Jahre lang. Zum ersten Mal reden rechte Hooligans, 'Nationale Sozialisten' und 'Pegida'-Vertreter offen vor der Kamera. Ein 92-Minuten-langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so vorher noch nicht gab. Der durchaus schockieren kann.

Aktuell bei
Amazon Prime Video und VIMEO zum Leihen/Kaufen.
Oder für unsere Abonnenten bei
PAID VIDEOS.

(Dokumentarfilm, 92 min, 2018, interpool.tv)

"Zeigen, was ist!" - Gespräch über die Dreharbeiten zu »INSIDE HOGESA«

"Kaum ein anderer Journalist recherchiert seit der ersten Demonstration der »Hooligans gegen Salafisten« so intensiv in der Szene wie der Filmemacher Fred Kowasch. Für »Sport Inside« und die »Sportschau« produzierte er Stücke zur Entwicklung der HogeSa sowie zum ungeklärten Tod von Mike Polley. Kowasch, der nach einem Studium der Publizistik, Geschichte und Politik an der FU Berlin u.a. für die TV-Magazine »Monitor« und »Kennzeichen D« gedreht hat, beschäftigt sich mit den Themen Doping und Wettbetrug, Sportpolitik sowie den Fankulturen im Fußball.”

War die HogeSa-Demo in Köln der Startschuss für Pegida?

Eindeutig ja. Und sie war nicht nur für Pegida der Startschuss. Auch für Legida in Leipzig, die großen »Merkel muss weg«-Demos in Berlin, Pegida-NRW. Und, und, und. Letztendlich auch für den heutigen Erfolg der AfD. 

Denn das Thema des radikalen Islamismus, der steigenden Terrorgefahr durch unkontrolliertes Einreisen von Flüchtlingen und Migranten – heute alles »Leib- und Magenthemen« der AfD –, hat zuerst »HogeSa« auf die Straße gebracht. 

Zur Erinnerung: Macheten und Metallstangen. Und die Polizei steht fassungslos daneben. Es waren die Bilder einer brutalen Straßenschlacht zwischen Salafisten und Kurden am 7. Oktober 2014 in Hamburg, die in weiten Teilen der Gesellschaft für Empörung sorgten. Die den Ruf nach Selbstjustiz auf ein anderes gesellschaftliches Level brachten. Nur so ist der Zuspruch für die »Hooligans gegen Salafisten« zu erklären. 

Unvorstellbar war zu dieser Zeit allerdings, dass sich fast 5.000 von ihnen nur zweieinhalb Wochen später in Köln, am 26. Oktober 2014, versammeln – und an einem Sonntag »in aller Ruhe« durch die Stadt »spazieren«. Auch wenn es tausende Anmeldungen über ihre Facebookseite gab – mit mehr als 1.500 hatten die Veranstalter nicht gerechnet. 

Die breite gesellschaftliche Akzeptanz für die AfD und ihre Thesen haben letztendlich die »Hooligans gegen Salafisten« geschaffen. Sie waren der Rammbock gegen die Tabus der »political correctness«, dessen was als »politisch korrekt« galt. Sie haben öffentlich und sagbar gemacht, was zuvor Millionen dachten. 

Zusammengefasst: Bei einem Einzug der »Alternative für Deutschland« in den Bundestag müssen sich deren Vertreter an erster Stelle bei den »Hooligans gegen Salafisten« bedanken. Sie haben letztendlich das Tor aufgestoßen ...

Sie haben führende Akteure der HogeSa nun über zwei Jahre begleitet und interviewt. Wie hat sich die Szene entwickelt?

Die Szene ist radikaler geworden. Vor allem rechtsradikaler. Und anschlussfähiger. Bis hinein in die – sprichwörtliche – Mitte der Gesellschaft. Das hat seinen Grund.

Idealere Entwicklungsbedingungen für eine neue politische Bewegung hat es seit Jahren nicht mehr gegeben. Hier der Staat, der – in den Augen der Demonstranten – seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommt. Insbesondere im Bereich »Innere Sicherheit«. Und die, die das dann einfordern, auch noch arrogant als »Pack« beschimpft.

Auf der anderen Seite zu allem entschlossene Protagonisten. Vor allem im Jahr 2016 habe ich die Forderung nach »Abschaffung des Systems« mehrfach und direkt gehört. Dies war in der Zeit davor nicht so klar zu vernehmen.

Was hat Sie eigentlich persönlich motiviert, sich so intensiv mit dem Thema zu befassen?

Soziale Bewegungen – die sprichwörtliche Macht der Straße – haben mich immer schon interessiert. Seitdem ich 15 bin. Vielleicht auch, weil ich persönlich mitbekommen habe, welche gesellschaftsverändernde Kraft so einem Prozess der Rebellion innewohnt. Da gewinnt man einen Sensor dafür, wenn die Macht der Straße plötzlich wieder vibriert. Unabhängig davon, wie man zur politischen Grundausrichtung von HogeSa, Pegida oder Legida persönlich steht.

Vor der Berichterstattung in »Sport inside« über die politische Radikalisierung der Hooligans habe ich mich 2011 und 2012 für die Sendung sehr intensiv mit der Ultra-Bewegung im deutschen Fußball beschäftigt.

Jahrelang habe ich dort einem Redakteur in den Ohren gelegen: »wir müssen da was machen«, »da kommt was«. Hängt auch damit zusammen, dass ich selber zum Fußball gehe, manchmal auch zu Auswärtsspielen fahre.

Es war allerdings nicht so einfach damals, Ultras zu finden, die mit Journalisten reden. Darauf kommt es ja an. Einen Film zu machen, in dem die Leute zu Wort kommen, um die es geht. Alles andere interessiert mich nicht.

Schlussendlich waren wir die ersten, die das Thema auf den Bildschirm gebracht haben. Acht Tage vor dem allseits bekannten DFB-Pokalspiel zwischen Borussia Dortmund und Dynamo Dresden, als im Gästeblock ein paar Leuchtfackeln brannten. Das nennt man dann schlicht und einfach »Reporterglück«.

Einen Monat später haben wir das Thema »Pyrotechnik in der Fankurve« umgesetzt. Hätte nicht gedacht, dass man daraus neun spannende Minuten machen kann. Einigen Kollegen – vor allem in der Sportschau-Redaktion – hat dieser Film nicht so gut gefallen. Wäre ihnen zu einseitig gewesen. Bei vielen Ultras hingegen kam der Film gut an. Hörte ich. Auch hier, »zeigen, was ist«, die Beteiligten zu Wort kommen lassen.

In den Monaten darauf fielen mir am Rande von Spielen – zum Beispiel bei den Krawallen zwischen Dortmund und Schalke, die ich am 20. Oktober 2012 selbst mit einer kleinen Videokamera drehte, vermehrt Althools auf. Das fand ich interessant, da ich Hooligans – ihr Leben und ihre Motivation – ja noch aus den 80er und 90er Jahren kannte.

Was Insider sicher wissen: Bei den Hools tummeln sich neben Arbeitern eben auch angehende Ärzte, Rechtsanwälte und Polizisten. Und: bis heute ist die Rolle der Hooligans bei der Revolution von ’89 nicht wirklich erforscht. Denn die Lage auf der Straße war – auch wenn die offizielle Geschichtsschreibung es anders darstellt – in den ersten Oktobertagen in Dresden, Leipzig und Plauen alles andere als friedlich. Auch hier spielten Hooligans, spielte ihre Gewalt gegen DDR-Polizisten und Staatssicherheitsbeamte eine nicht unwesentliche Rolle.

Birgt die »dichte Beschreibung« einer solchen Szene nicht die Gefahr, dass diese dadurch eine Bühne erhält?

Diese »Gefahr« gibt es immer. Würde im Umkehrschluss aber auch bedeuten, nicht über eine Streetgang oder Graffitisprayer zu berichten, sie mit der Kamera hautnah zu begleiten. Was ich vor Jahren für die »ZDF.Reporter« getan habe.

»Zeigen, was ist«. Das ist meine Berufsauffassung. So nah und unverfälscht wie möglich an die Wirklichkeit heranzukommen. Genau aber das ist für mich der tiefere publizistische Sinn. Den Finger sprichwörtlich »in die Wunden« zu legen. Mehr als zum Nachdenken anzuregen, können wir Filmemacher nicht erreichen.

Nähert sich ein teilnehmender Beobachter der Szene nicht auch an? Ich sage das jetzt ganz subjektiv und ohne politische Bewertung: Captain Flubber wirkt ja sogar sympathisch und selbst ein Dominik Roeseler, der Initiator der ersten HogeSa-Demo in Köln, gibt sich im direkten Gespräch mitunter selbstkritisch.

Sie spielen damit auf verschiedene Szenen an, die Sie am 9. Oktober 2016 am Rande einer Kundgebung in Dortmund selbst miterlebt haben. Sie werden möglicherweise Einzug in meinen Dokumentarfilm »Inside HogeSa« finden, an dem ich gerade arbeite.

Meine Erfahrung ist: aus der Nähe wirkt alles wesentlich entspannter. Wenn man sich vernünftig vorstellt, ihnen nicht gleich die Kamera ins Gesicht hält, ihnen zuhört, dann kommt auch etwas zurück. Offenheit. Ich stelle – in der Regel – ja offene Fragen. Mir geht es nicht um Vorhalte nach dem Motto: Was bist Du für ein »böser Rechter«? Ich höre zu. Das macht sonst kaum einer. Deshalb reden einige mit mir.

Sind Teile der Medien durch ihre Sensationsberichterstattung nicht die Werbeagentur der Hools?

Wieso? Große Teile der Medien können ja nicht mal einen Ultra von einem Hooligan unterscheiden. Das hat man ja in »Reinkultur« nach den Ereignissen vom 26. Oktober 2014 in Köln gesehen. Sondersendung folgte auf Sondersendung, Talkshow auf Talkshow. Es wurde viel geredet, meistens völlig kenntnisfrei. In ihrer publizistischen Arroganz sind viele Medien – vor allem im TV und das nicht nur in diesem gesellschaftlichen Spannungsfeld – unfähig oder unwillig, differenziert zu berichten.

Den Hools ist das ohnehin längst egal. Sie haben ihre eigenen Medien. Sind auf Facebook oder VK (eine Art russisches Facebook) unterwegs, kommunizieren über Whatsapp. Für die etablierten Medien haben sie – wenn überhaupt – nur Verachtung übrig.

Sind durch HogeSa nicht völlig neue Politiker in die Öffentlichkeit getreten?

Ja. Wenn man sie denn Politiker im herkömmlichen Sinn nennen will. Aber eins ist klar: Dominik Roeseler, Tatjana Festerling, Edwin Wagenveld und Michael Stürzenberger wurden durch HogeSa-Veranstaltungen bundesweit bekannt. Weil sie sich im Gegensatz zu den meisten anderen Teilnehmern auch öffentlich äußerten.

Andere – insbesondere die rechtsgerichteten Hools in der HogeSa-Gründungsgruppe – haben dadurch eine tiefere Politisierung erfahren. Sie haben gelernt, wie man Demonstrationen und Kundgebungen anmeldet und durchführt. Aber auch, wie man gegen polizeiliche Verbote rechtlich vorgeht. Wie man – mit den früher so verfeindeten Hoolgruppen anderer Vereine – gemeinsame politische Aktionen abspricht und durchführt. »In den Farben getrennt, in der Sache vereint« – dieser Slogan kommt ja nicht von Ungefähr.

Hools als politische Akteure – ist das nicht ein Widerspruch?

Warum? Einige von ihnen sehen sich spätestens seit dem lauen Oktobersonntag von Köln als eine Art politische Avantgarde. Für Protest und Veränderung in der Gesellschaft. Das bedeutet – nach ihrer Wahrnehmung – auch die öffentliche Sicherheit in ihre eigenen Hände zu nehmen. Ob es nun der Ordnungsdienst bei den Demonstrationen von Pegida und Legida war (und ist), oder es die Bürgerwehren in einzelnen NRW-Städte (Köln, M’gladbach, Bielefeld) nach den Übergriffen von Migranten, Asylbewerbern und Flüchtlingen Silvester 2015/16 in Köln sind. Dennoch war der Preis dieser Aktionen für die Hools hoch. Nach einer anfänglichen Phase der Irritation haben die Sicherheitsbehörden inzwischen doch sehr massiv reagiert.

Aber auch auf der anderen – der »linken« Seite – haben sich mittlerweile aktive Hooligangruppen herausgebildet. Bei St. Pauli gab es sie – im Umfeld der Hafenstraße – ja immer schon. Relativ neu sind Gruppen in Bremen und Leipzig.

Hat HogeSa eine Zukunft?

Das ist schwer vorherzusagen. Nach wie vor bestehen die alten Kontakte. Einige der Gründungsmitglieder sind mittlerweile auch zerstritten, haben andere Gruppen (wie »Gemeinsam Stark e.V.«) gegründet. Andere wiederum haben sich – auch nach massiven Einschüchterungsmaßnahmen militanter »Antifa«-Gruppen – zurückgezogen.

Auch zeigt der Staat – zumindest beim Thema »Radikale Salafisten« – nun Präsenz. Die Durchsuchungen und Vereinsverbote, auch das Gerichtsverfahren gegen den radikalen M’gladbacher Prediger Sven Lau sind – meiner Einschätzung nach – Reaktionen der Behörden auf die massiven HogeSa-Proteste. Wie ernst die Behörden HogeSa und das Umfeld nehmen, zeigt bereits ein kurzer Blick in den Bundesverfassungsschutzbericht 2015. Wörtlich heißt es da: »Die Teilnahme unterschiedlich großer Personengruppen aus der Hooliganszene an solchen Kundgebungen zeigt, dass eine signifikante Anzahl Hooligans durchaus gewillt ist, sich für politische Aktionen einzubringen.«

Und: Die Szene ist jederzeit – auch kurzfristig – mobilisierbar. Das hat man am 9. Januar 2016 in Köln gesehen, als bei der bisher größten Pegida-NRW-Demonstration von geschätzt 2.500 Teilnehmern die Hälfte Hooligans waren. Auch die Ergebnisse der Wahlen zum Bundestag 2017 oder zum Landtag in Nordrhein-Westfalen werden späte Erfolge für HogeSa sein. Passiert nichts komplett Unerwartetes, wird die AfD in beide Parlamente einziehen. HogeSa – und die Nachfolgeorganisation »Gemeinsam Stark e.V.« – ist und bleibt ihr radikaler Arm der Straße. Denn einer muss – in ihren Augen – die AfD-Wahlveranstaltungen, Parteitage und Wahlpartys schließlich schützen. 

Das Gespräch führte Richard Gebhardt